TagNachtAlleinGedicht

 
Wieder im Bett. Allein,
aber nicht einsam. Oder doch?
Vielleicht.
“Bridge over trouble Water……”
ein Song im Radio.
Nein, nicht einsam.
Hinter dem Fenster die Nacht
und darunter Deutschland,
ein armes Land,
ein Land mit Bomben
auf der Erde
und unter der Erde.
Armes krankes Land mit A-Bomben
und Sex-Bomben.
“Ich lache Tränen wenn Du lügst….”
neues Lied im selben Radio,
ein verlogener Schlagertext,
leises Rauschen im Hintergrund
und
vorbeifahrende Autos vor meinen Fenster
in Richtung:
mir-egal-wohin-es-geht.
Die Nacht schaut ins Fenster,
kalt und gleichgültig.
Wer bin ich?
Was bin ich?
Keine Antwort.
Wieder beleuchtet ein Scheinwerfer
mein leeres kaltes Zimmer
und verschwindet
so schnell wie es kam.
Bin ich Ginsberg, könnte ich sagen:
“Ja ich kenne Jack Kerouac,
ist ein Freund von mir!”
Bin ich Kerouac, könnte ich sagen:
“Ja ich kenne Allan Ginsberg, ist ein Freund von mir!”
Franzose im Radio,
um ein Uhr fünfzig.
Ich, allein im Bett,
in der letzten Zeit viele Gedichte im Bett geschrieben.
G.G. Anderson fast eine aufs Maul gehauen,
vor zwei Jahren.
Zwei Uhr Nachts:
Nachrichten.
Blut fließt in strömen aus meinen Leblosen Kofferradio.
Vorbei die heile Welt,
für fünf Minuten.
KRIEGSRECHT IN POLEN VERSCHÄRFT!
POLEN
zehn Schritt hinter der Haustür.
Der Wetterbericht,
mitten in der einsamen Nacht.
Polen schreit, braucht Hilfe
und keiner hört es,
nur zehn Schritt hinter der Haustür.
Bukowski – Amerikaner mit DeutschPolnischen Blut –
trinkt sein 15. Bier.
Natur weint,
Reagen kann keiner leiden,
fast keiner.
Kerouac tot.
Über zehn Jahre schon.
Für J.C. ist alles vorbei,
heim gegangen gen Himmel,
spielt Schach mit seinen Vater.
Neuer Tag:
Drei Stunden alt.
Auto fährt vorbei an meinen Fenster,
das letzte für die Nacht.
Ich schlafe ein.

Samstag
10 Stunden alt,
Einkaufen.
Nachbar redet mit mir ohne mich anzusehen,
Kaffee duftet wie bei Mutter,
das Radio redet mit mir
und ich
gebe keine Antwort.
Ich bin wieder allein.
Warum?
Der Ansager im Radio erzählt einen Witz
ich kann nicht drüber lachen.
Sehne mich nach Wärme,
nach der warmen Haut einer Frau
die ich liebe und die mich liebt.
Doch Einsam.
Der Tag wird älter und mit ihm auch ich.
Mit grauen Gehirnzellen träume ich von Freiheit.
Eine Fliege erschlagen
warum?
Weil sie nicht allein ist?
Weil noch mehr da sind?
Vielleicht!
Polen!
ICH BIN ALLEIN, ICH KANN DIR NICHT HELFEN!
Tut mir leid!
Eine einsame Träne verläßt schweigend das linke Auge.
Ich glaube ich werde Wahnsinnig,
bin es vielleicht schon ohne es zu wissen.
O, Hemingway, warum hast Du nicht erst das Buch über den wahnsinn geschrieben?
Die Schrotflinte hat doch noch zeit gehabt.
Was ist Wahnsinn?
Wer ist Hemingway?
Wo ist Amerika?
und
wo Deutschland?
Zehn Schritt hinter der Haustür schreit
Polen um Hilfe.
Amerika hat seinen Haß auf die Russen!
Deutschland hat die Amerikaner!
Gott hat seinen Spass mit den Menschen!
Die großen dieser Welt haben immer eine Lüge auf lager!
Ich habe meine Schreibmaschine!
Die Sonne scheint herab auf unsern lieben, kranken Planeten.
Mit geschlossenen Augen fliegen Vögel und Jets um die Wette.
Seit etwa zwei Stunden ist das Radio still,
Akkus leer,
ich Wechsel sie nicht aus.
Genieße,
doch keine Stille,
Nachbar hämmert, Traktoren brummen,
Hunde bellen, Leute reden.
Ich höre alles.
Polen schreit
Amerika schreit
Deutschland schreit
und die Toten schweigen sich aus. Nur die Natur weint noch immer
seit über Tausend Jahren!

© Bruno F. Spotted Bear 

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